Kurzinterview Udo Weißwange-Kolb

Teil 3: Udo Weißwange-Kolb

"Was ich auf jeden Fall gut finde und was mir Hoffnung macht ist, dass wir als IG BCE gemeinsam mit den Mitgliedern, mit den Vertrauensleuten und Betriebsräten gute Lösungen finden. Es ist wichtig am Ball zu bleiben, dass wir als IG BCE auch weiterhin den Kontakt zu unseren Leuten in den Betrieben suchen und halten."

Kai Myller

Udo Weißwange-Kolb hat ursprünglich den Beruf des Mechatronikers erlernt. In seinem Ausbildungsbetrieb wurde er im November 2002 zum JAVi gewählt und hat über diese Ebene die Jugendarbeit der IG BCE im Bezirk Halle- Magdeburg mitgestaltet. Nach der Ausbildung hat Udo bei einem Maschinenbauer und danach in Italien gearbeitet und kam während der Finanzkrise 2009 zurück nach Deutschland, um ab 2010 hauptamtlich für die IG BCE zu arbeiten. Erfahrung hat Udo zu dem als Projektsekretär im Bezirk Saarbrücken und im Landesbezirk Bayern gesammelt. Seit November 2016 ist Udo wieder im Bezirk Mittelrhein im Einsatz.

Hallo Udo. Du bist seit November 2016 im IG BCE Bezirk Mittelrhein im Einsatz. Kannst du kurz erläutern welche Themen von den Vertrauensleuten, Betriebsräten und Mitgliedern – vor Ausbruch der Corona-Krise – an dich herangetragen wurden?

Hallo Moschgan. Erst einmal vielen Dank für die Möglichkeit, dass ich in diesem Rahmen über meine Arbeit sprechen kann.

Vor Ausbruch von Corona ging es in Zusammenarbeit mit den Vertrauensleuten verstärkt darum, wie wir als IG BCE und VL’s stärker in den Betrieben wahrgenommen werden können und welche innerbetrieblichen Aktionen wir unterjährig und während Tarifverhandlungen umsetzen wollen. Denn unsere Stärke – unsere Verhandlungsstärke – ist unser Organisationsgrad.

Oft wissen die KollegInnen in den Betrieben zwar wer die Betriebsräte sind, aber nicht unbedingt, wer die Vertrauensleute sind. Das wollen wir ändern. Das ist für uns als Organisation und vor allem auch für die VL-Gremien enorm wichtig.

Bei Fragen von den Betriebsräten ist die Themenauswahl sehr vielfältig gewesen. Angefangen von Fragen zu Standortsicherheiten, Regelungen zu den Arbeitszeiten, Pausenzeiten, Urlaubstagen, BEM, DSGVO und Prämienzahlungen.

Leider ging es auch um Fragen die sich auf den Umgang mit Standortschließungen bezogen. Und dabei, um Verhandlungen zur Umsetzung der Interessenausgleiche und Sozialpläne. Das bringt leider immer einen negativen Beigeschmack mit sich.

Für mich ist in dem Zusammenhang aber auch wichtig den Abschluss von Haustarifverträgen zu erwähnen. Da haben die Tarifkommissionen und ich gemeinsam einen richtig guten Job gemacht. Wir konnten für knapp 3000 KollegInnen Abschlüsse erzielen, welche immer über der Inflationsentwicklung lagen. Das ist eben keine Selbstverständlichkeit. Es bedarf einen starken Zusammenhalt und Überzeugung, um gemeinsam für ein solches Ergebnis zu streiten.

Kannst du noch ergänzen wie denn so die klassischen Rechtsfragen aussahen, die von den Mitgliedern an dich herangetragen wurden?

Ja auch die Fragen von unseren Mitgliedern sind immer weit gestreut. In den letzten Jahren lag beispielsweise das Thema Abmahnung wieder vermehrt auf meinem Tisch. Dann geht es in erster Linie erst einmal darum den KollegInnen die Angst zu nehmen und über den Umgang mit der Abmahnung zu beraten.

Dann ging es auch oft um ausbleibende Zahlungen, zum Beispiel im Krankheitsfall. Wenn beispielsweise der Arbeitgeber das Krankengeld nicht gemäß den Vereinbarungen aus dem Tarifvertrag gezahlt hat oder Berechnungsfehler aufgedeckt wurden.

Dann gab es natürlich auch Fragen zum Thema Abmahnungen und Kündigungen und die Überprüfung von Arbeitszeugnissen, Fragen zum Renteneintritt mit Abfindungs- bzw. Übergangsregelungen. Sprich, was habe ich als Beschäftigter für Möglichkeiten, um etwas früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden. Und natürlich auch in dem Zusammenhang, welche Nachteile können dem Beschäftigten entstehen.

Das sind alles sehr spannende und individuelle Fragen.

Ja und den Jugendbereich betreue ich ja auch im Bezirk. Hier habe ich mich in erster Linie mit dem Thema Bildung auseinandergesetzt und wir haben einen Bildungsplan erstellt. Weil wir im Bezirk Mittelrhein extra ein Bildungsprogramm für die jüngeren Beschäftigten anbieten.

Und wie ist es nun seit Ausbruch der Corona-Krise, wie haben sich die Themen nun verändert?

Ja seit Ausbruch der Corona-Krise geht’s vor allem leider oft um das Thema Kurzarbeit oder das Kurzarbeitergeld. Von den Betriebsräten kommt dann häufig die Frage, nach der Überprüfung von Betriebsvereinbarungen durch die IG BCE.

Im sogenannten Pandemiefall kommen Fragen zu Veränderungen im Schichtbetrieb. Da mussten wir schon die Erfahrung machen, dass Arbeitgeber versuchen einseitig die Schichtpläne zu ihren Gunsten zu verändern.

Wir reden leider Gottes auch über das Thema Standortveränderungen mit offenem Ergebnis für die Beschäftigten. Man kann einfach zum jetzigen Zeitpunkt nicht final sagen, was mit dem ein oder anderem Betrieb im Laufe des Jahres passieren noch wird. Dann wird eben leider auch über Tariföffnungsklauseln geredet, oder über den Personalabbau.

Oder wir reden über Vereinbarungen zum Thema Homeoffice oder dem mobilen Arbeiten. Wir haben auch viele Beschäftigte in den Betrieben, die von der Thematik Kitaschließung und Schulschließung betroffen sind.

Was für Unterstützungsmöglichkeiten bietest du denn den Mitgliedern, den Vertrauensleuten und Betriebsräten in den besagten Situationen an?

Okay ich versuche mal etwas zu differenzieren. Natürlich steht die Rechtsberatung ganz vorne an, bei den Themen wie Abmahnung, Ein- und Umgruppierung, Kündigungen, Elternzeitfragen, Abfindungsfragen, oder die Prüfung von Arbeitszeugnissen. Das sind Beispiele für die Unterstützungsmöglichkeiten die ich den Mitgliedern anbiete.

Bei den Vertrauensleuten geht es darum, deren Arbeit zu stärken und sichtbar zu machen. Ich habe Beispielsweise acht Betriebe in denen ich Haustarifverhandlungen führe. Wenn Haustarifverhandlungen geführt werden ist es immer wichtig mit den Vertrauensleuten über die Forderungen für die Tarifverhandlungen zu sprechen. Es geht bei der Präsentation der Verhandlungsergebnisse dann letztendlich darum zu zeigen, dass wir – die Tarifkommission, die Vertrauensleute und ich – gemeinsam stark sind und einen guten Job gemacht haben.

Bei den Betriebsräten versuche ich es immer einzurichten an normalen Betriebsratssitzungen teil zu nehmen, auch wenn das nicht immer im vollen Umfang möglich ist. Das ist ja leider Momentan aufgrund von Corona nicht möglich. Die Teilnahme an Betriebsratssitzungen halte ich für enorm wichtig, um zum einen die Beziehung zwischen den Betriebsräten und mir zu stärken und zum anderen, um thematisch am Ball zu bleiben. Oft werden wir zu bestimmten Fragen, die sich beispielsweise auf den Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarungen beziehen, als Berater hinzugezogen.

Und wie schaffst du es in der jetzigen Situation, in der du kaum an Betriebsratssitzungen teilnehmen kannst, den Kontakt aufrecht zu halten?

Ich telefoniere mindestens einmal die Woche mit den Betriebsräten, auch wenn es gerade thematisch nicht brennt. Die Telefonate sind einfach wichtig um den Kontakt aufrecht zu halten und um zu zeigen, dass wir weiterhin für die Betriebsräte da sind. Dazu bekomme ich auch immer eine sehr gute Rückmeldung.

Wie viele organisierte Betriebe aus deinem Zuständigkeitsbereich sind denn von Kurzarbeit betroffen? Wurden in den Betrieben besondere Vereinbarungen wie Aufstockungsvereinbarungen zum Kurzarbeitergeld geregelt?

Aus meinem Zuständigkeitsbereich sind 10 Betriebe von Kurzarbeit betroffen. Es gibt zu dem noch vier Betriebe, die schon eine Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit vorbereitet haben, für den Fall, dass es zur Kurzarbeit kommen wird. Eine gesonderte Aufstockungsvereinbarung habe ich den Bereichen - neben den tariflichen Regelungen - leider nicht.

Kannst abschließend noch 3 Stichworte nennen, die Hoffnung in dieser schwierigen Zeit schenken?

Was ich auf jeden Fall gut finde und was mir Hoffnung macht ist, dass wir als IG BCE gemeinsam mit den Mitgliedern, mit den Vertrauensleuten und Betriebsräten gute Lösungen finden. Es ist wichtig am Ball zu bleiben, dass wir als IG BCE auch weiterhin den Kontakt zu unseren Leuten in den Betrieben suchen und halten. Das ist ja auch eine Chance nochmal zu zeigen, dass wir gemeinsam stark sind, gemeinsam auch in der Krise gute Lösungen entwickeln und hoffentlich bald auch gestärkt aus der Krise gehen können.

Das ist meine Hoffnung.

Ich hoffe natürlich auch, dass die KollegInnen in den Betrieben, die wir in den letzten Jahren nicht von der IG BCE überzeugen konnten, nun auch noch einmal sehen, wie wichtig unsere Arbeit als Sozialpartner ist. Wenn es Beispielsweise um das Thema Kurzarbeit geht dann sieht man eindeutig, dass die Beschäftigten die einen Tarifvertrag haben einfach deutlich bessergestellt sind.

Wir können wirklich schnell mit den Betriebsräten und Arbeitgebern gemeinsam gute Lösungen entwickeln, vor allem auch um Arbeitsplätze in der Krise zu sichern. Wäre das nicht der Fall, dann gäbe es bei uns im Bezirk mit Sicherheit ganz andere Themen wie betriebsbedingte Kündigungen oder Insolvenzen. Das muss dringend vermieden werden.

Glück auf!

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