Internationale Gewerkschafter zu Gast

Solidarität kennt keine Grenzen

Zur guten Tradition der IG-BCE-Gewerkschaftskongresse gehört es, Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland zu Wort kommen zu lassen. Einer von ihnen: Nurettin Akçul, Präsident der türkischen Bergbaugewerkschaft Türkiye Maden Iscileri Sendikasi. Gleich zu Beginn seiner Rede blickte er auf ein persönliches Erlebnis zurück: Vom Anruf seines "Freund Michaels" (Vassiliadis, Anm. d. Red.), der nach dem schrecklichen Grubenunglück von Soma "uns als erster Anrufer aus dem Ausland die Solidaritätsbekundungen aller deutschen Bergleute überbrachte".

Christian Burkert

Nurettin Akçul, Präsident Türkiye Maden Iscileri Sendikasi, Türkei Nurettin Akçul, Präsident Türkiye Maden Iscileri Sendikasi, Türkei
09.10.2017
  • Von: Axel Stefan Sonntag
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Für die IG BCE sei Solidarität "nicht bloß ein Wort", machte er deutlich. Bezüglich der Arbeitssicherheit unter Tage betonte Akçul: "Privatisierungen und Auftragsvergaben an Subunternehmer dürfen nicht anstelle von Menschenleben stehen!". In diesem Zusammenhang lobte der Gewerkschaftschef "die erste Ausbildungsstaffel", die das mit Unterstützung der IG BCE erbaute Bergbau-Bildungszentrum in Soma im August dieses Jahres verließ.

Deutliche Worte in Richtung Politik fand der türkische Gewerkschafter zum Schluss seiner Grußworte: "Es gibt vieles, was Deutsche und Türken verbindet – vor allem im Bergbau", sagte Akçul. "Diese Beziehungen dürfen nicht von politischer Kultur abhängig sein. Wir stehen für Frieden und Dialog."

Politische Umbrüche in Brasilien kritisiert

Ebenso politisch war die Rede von Lucineide Varjao Soares, Präsidentin der brasilianischen Chemiegewerkschaft CNQ/CUT. "Wir müssen uns derzeit mit einer Regierung auseinandersetzen, die mit einem Staatsstreich an die Macht kam", sagte sie vor den 400 Delegierten. "Das hat erhebliche Konsequenzen für die Arbeitnehmerschaft." Investitionen im sozialen Bereich seien "für die nächsten 20 Jahre" eingefroren, am 11. November trete ein neues, liberalisiertes Arbeitsrecht in Kraft. Die "illegitime Regierung" betreibe eine Politik der Privatisierung und Präkarisierung und verkaufe beispielsweise "Tafelsilber" wie den größten staatlichen Energieversorger. "Wir brauchen die Solidarität von Michael Vassiliadis, wir brauchen die Solidarität der ganzen Welt", appellierte Lucineide Varjao Soares.

Christian Burkert

Lucineide Varjao Soares, Präsidentin CNQ/CUT, Brasilien

Spanische Unternehmen treten aus Tarifbindung aus

Die massiven sozialpolitischen Umbrüche in seinem Heimatland Spanien skizzierte Angel Sanchez-Villa, Betriebsrat bei BASF Tarragona. Der gelernte Chemikant, der sich auch im Europabetriebsrat des Chemiekonzerns engagiert, verwies exemplarisch auf einen Mindestlohn von nur noch 4,29 Euro und die Möglichkeit der Unternehmen, ohne Verhandlungen aus der Tarifbindung auszutreten. Mit bescheidenem Erfolg: Das "Mehr" an Beschäftigungsverhältnissen sei oftmals nur prekäre Arbeit;  Spanien habe zudem noch immer die höchste Jugendarbeitslosigkeit in Europa. Sanchez-Villa, der im katalonischen Tarragona arbeitet, zerreißt es beim aktuellen politischen Konflikt das Herz: "Unser Land steht an seiner größten Herausforderung. Ich rufe alle Spanier dazu auf, den Dialog aufzunehmen und den Konflikt friedlich und demokratisch zu lösen. Sonst verliert Spanien und Europa insgesamt." Ein Appell, den die Delegierten mit langem Applaus betonten.

© IG BCE
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